Schriftsteller:innen

Drei vielfach ausgezeichnete Schriftsteller:innen wagen ein ungewöhnliches Experiment: Direkt neben Luthers Schreibstube residieren sie im Herbst 2021 für jeweils vier Wochen auf der Wartburg. Dort führen sie einen inneren Dialog mit Luthers Bibel und verfassen einen literarischen Text.

Iris Wolff

„Im Wort ist der Ort schon angelegt, das eine ist ohne das andere nicht denkbar – von Luthers Bibel-Übersetzung bis heute. Für mich ist das Schreiben ohne die Landschaften meiner ersten Heimat nicht denkbar. Schreibend eröffnen sich Bilder, die ohne Grenzen auskommen, sie verweisen auf geistige Räume, innere Orte. Ich freue mich über die geschenkte Zeit auf der Wartburg, um in Zwiesprache mit beidem zu gehen.“

Iris Wolff wuchs in Siebenbürgen und im Banat auf, bevor sie 1985 mit ihrer Familie nach Deutschland auswanderte. Sie studierte Germanistik, Graphik und Malerei sowie Religionswissenschaft in Marburg. Ihren literarischen Auftakt nahm sie 2012 mit dem Roman Halber Stein. Für ihre Romane wurde sie bereits mehrfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Für ihr Gesamtwerk erhielt die Autorin den Marieluise-Fleißer-Preis 2019 und 2021 den Marie Luise Kaschnitz-Preis, den Preis der LiteraTour Nord, den Eichendorff-Literaturpreis sowie den Solothurner Literaturpreis. Für ihren Roman Die Unschärfe der Welt wurde ihr in diesem Jahr der Evangelische Buchpreis zugesprochen.
Ein Schwerpunktthema ihrer literarischen Arbeit ist „Heimat“. Dazu sagt sie: „Heimat ist kein Ort, aus dem man vertrieben werden kann, sondern ein innerer Ort, den zu finden man die Freiheit hat.“

Iris Wolff zu ihrem Aufenthalt auf der Wartburg:

Die Präsenzzeit von Iris Wolff auf der Wartburg:
30. Oktober bis 27. November 2021


Senthuran Varatharajah

„Als Kind habe ich Deutsch anhand der Bibel gelernt. Die Bibel ist für mich immer noch der erste Text – in jeder Hinsicht. Dieses intime Verhältnis bestimmt auch wesentlich meine schriftstellerische Arbeit: sie kommt immer wieder auf die Bibel zurück, weil meine Sprache aus der Bibel kam. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Ich freue mich darauf, während der Zeit auf der Wartburg dieses Gespräch mit dem ersten und letzten Text an dem Ort, an dem Luther einen Teil daraus übersetzt hatte, weiterführen zu dürfen.“

Senthuran Varatharajah, geboren in Jaffna, Sri Lanka, studierte Philosophie, ev. Theologie und vergleichende Religions- und Kulturwissenschaft in Marburg, Berlin und London. Sein vielbeachteter und mehrfach ausgezeichneter Debutroman Vor der Zunahme der Zeichen erschien 2016. Die Literaturkritikerin Meike Feßmann bezeichnet Vor der Zunahme der Zeichen als einen Roman, der durchgängig „mit der Überblendung von Theorie und Literatur“ arbeite und „von enormer gedanklicher Konsequenz und einer sprachlichen Radikalität“ sei, „die selten geworden ist in der deutschen Gegenwartsliteratur.“ Vor der Zunahme der Zeichen wurde u.a. mit dem Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis, dem Bremer Literaturförderpreis, dem Kranichsteiner Literaturförderpreis und dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet. Varatharajahs zweiter Roman Rot (Hunger) erscheint im Frühjahr 2022.

Senthuran Varatharajah zu seinem Aufenthalt auf der Wartburg:

Die Präsenzzeit von Senthuran Varatharajah auf der Wartburg:
03. Oktober bis 01. November 2021


Uwe Kolbe

„Die Klinge kreuzen mit dem Teufel wie einst der Mönch Luther im Habit des Ritters – ihm gleich wird es keiner tun. Aber nah bei ihm auf das Wort zu vertrauen wie sein geliebter Evangelist Johannes, das müsste wohl möglich sein.“

Uwe Kolbe wurde in Ostberlin geboren und ist seit 1979 freier Schriftsteller. Seine ersten drei Gedichtbände erschienen sowohl in der DDR als auch im westdeutschen Suhrkamp Verlag. Gleichzeitig war er einer der Herausgeber der unabhängigen Literaturzeitschrift Mikado. Für seine Arbeit wurde er 2012 mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen der Roman Die Lüge sowie die Gedichtbände Gegenreden und Imago. Zu seinem Gedichtband Psalmen sagt Uwe Kolbe: „Was meine Psalmen singen, kann ich nicht mit anderen Worten sagen (…). Ansonsten belegen sie unmissverständlich Zwiesprache mit Gott. Ich werde diesem Gott nur nicht die Maske einer bestimmten Konfession vor das Gesicht hängen.“

Uwe Kolbe zu seinem Aufenthalt auf der Wartburg:

Die Präsenzzeit von Uwe Kolbe auf der Wartburg:
07. September bis 04. Oktober 2021

Wartburg-Experiment aktuell

Am 7. September 2021 fand die eröffnende Pressekonferenz auf der Wartburg in Eisenach statt.
Bilder der Veranstaltung finden Sie im Presse Bereich.

Uwe Kolbe auf der Wartburg

Uwe Kolbe residiert als Erster von drei Schriftsteller:innen auf der Wartburg, um sich mit Luthers Bibelübersetzung auseinanderzusetzen. Jeden Tag fotografiert er zudem ein "Fundstück".

Das Wartburg-Experiment wird realisiert von der Internationalen Martin Luther Stiftung und der Deutschen Bibelgesellschaft in Medienpartnerschaft mit dem Gemeinschaftswerk Evangelische Publizistik. Das Wartburg-Experiment wird gefördert durch Mittel des Landes Thüringen.