SchriftstellerInnen

Drei vielfach ausgezeichnete SchriftstellerInnen haben 2021 ein ungewöhnliches Experiment gewagt: Direkt neben Luthers Schreibstube residierten sie im Herbst 2021 für jeweils vier Wochen auf der Wartburg. Dort führten sie einen inneren Dialog mit Luthers Bibel und haben einen literarischen Text verfasst.

Ihre Texte werden im Herbst 2022 veröffentlicht und zu Gehör gebracht.

Iris Wolff

„Im Wort ist der Ort schon angelegt, das eine ist ohne das andere nicht denkbar – von Luthers Bibel-Übersetzung bis heute. Für mich ist das Schreiben ohne die Landschaften meiner ersten Heimat nicht denkbar. Schreibend eröffnen sich Bilder, die ohne Grenzen auskommen, sie verweisen auf geistige Räume, innere Orte. Ich freue mich über die geschenkte Zeit auf der Wartburg, um in Zwiesprache mit beidem zu gehen.“

Iris Wolff wuchs in Siebenbürgen und im Banat auf, bevor sie 1985 mit ihrer Familie nach Deutschland auswanderte. Sie studierte Germanistik, Graphik und Malerei sowie Religionswissenschaft in Marburg. Ihren literarischen Auftakt nahm sie 2012 mit dem Roman Halber Stein. Für ihre Romane wurde sie bereits mehrfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Für ihr Gesamtwerk erhielt die Autorin den Marieluise-Fleißer-Preis 2019 und 2021 den Marie Luise Kaschnitz-Preis, den Preis der LiteraTour Nord, den Eichendorff-Literaturpreis sowie den Solothurner Literaturpreis. Für ihren Roman Die Unschärfe der Welt wurde ihr in diesem Jahr der Evangelische Buchpreis zugesprochen.
Ein Schwerpunktthema ihrer literarischen Arbeit ist „Heimat“. Dazu sagt sie: „Heimat ist kein Ort, aus dem man vertrieben werden kann, sondern ein innerer Ort, den zu finden man die Freiheit hat.“

Iris Wolff war vom 30. Oktober bis zum 25. November 2021 auf der Wartburg. Ihren Aufenthalt auf den Spuren Luthers beschreibt sie wie folgt:


Senthuran Varatharajah

„Als Kind habe ich Deutsch anhand der Bibel gelernt. Die Bibel ist für mich immer noch der erste Text – in jeder Hinsicht. Dieses intime Verhältnis bestimmt auch wesentlich meine schriftstellerische Arbeit: sie kommt immer wieder auf die Bibel zurück, weil meine Sprache aus der Bibel kam. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Ich freue mich darauf, während der Zeit auf der Wartburg dieses Gespräch mit dem ersten und letzten Text an dem Ort, an dem Luther einen Teil daraus übersetzt hatte, weiterführen zu dürfen.“

Senthuran Varatharajah, geboren in Jaffna, Sri Lanka, studierte Philosophie, ev. Theologie und vergleichende Religions- und Kulturwissenschaft in Marburg, Berlin und London. Sein vielbeachteter und mehrfach ausgezeichneter Debutroman Vor der Zunahme der Zeichen erschien 2016. Die Literaturkritikerin Meike Feßmann bezeichnet Vor der Zunahme der Zeichen als einen Roman, der durchgängig „mit der Überblendung von Theorie und Literatur“ arbeite und „von enormer gedanklicher Konsequenz und einer sprachlichen Radikalität“ sei, „die selten geworden ist in der deutschen Gegenwartsliteratur.“ Vor der Zunahme der Zeichen wurde u.a. mit dem Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis, dem Bremer Literaturförderpreis, dem Kranichsteiner Literaturförderpreis und dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet. Varatharajahs zweiter Roman Rot (Hunger) erscheint im Frühjahr 2022.

Senthuran Varatharajah war vom 03. Oktober bis zum 01. November 2021 auf der Wartburg. Seinen Aufenthalt auf den Spuren Luthers beschreibt er wie folgt:


Uwe Kolbe

„Die Klinge kreuzen mit dem Teufel wie einst der Mönch Luther im Habit des Ritters – ihm gleich wird es keiner tun. Aber nah bei ihm auf das Wort zu vertrauen wie sein geliebter Evangelist Johannes, das müsste wohl möglich sein.“

Uwe Kolbe wurde in Ostberlin geboren und ist seit 1979 freier Schriftsteller. Seine ersten drei Gedichtbände erschienen sowohl in der DDR als auch im westdeutschen Suhrkamp Verlag. Gleichzeitig war er einer der Herausgeber der unabhängigen Literaturzeitschrift Mikado. Für seine Arbeit wurde er 2012 mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen der Roman Die Lüge sowie die Gedichtbände Gegenreden und Imago. Zu seinem Gedichtband Psalmen sagt Uwe Kolbe: „Was meine Psalmen singen, kann ich nicht mit anderen Worten sagen (…). Ansonsten belegen sie unmissverständlich Zwiesprache mit Gott. Ich werde diesem Gott nur nicht die Maske einer bestimmten Konfession vor das Gesicht hängen.“

Uwe Kolbe war vom 07. September bis zum 04. Oktober 2021 auf der Wartburg. Seinen Aufenthalt auf den Spuren Luthers beschreibt er wie folgt: :


Die drei AutorInnen haben 2021 an vier Veranstaltungen mitgewirkt.

07. September 2021 | Wartburg, Eisenach
Zu Tisch bei Luthers – Literarisches Dinner im Wartburg-Restaurant

Gastgeber Landesbischof Ralf Meister (VELKD) hatte die drei SchriftstellerInnen Iris Wolff, Uwe Kolbe und Senthuran Varatharajah zu Tischgesprächen auf die Wartburg eingeladen. Außerdem waren zu Gast: Thüringer Ministerpräsidentin a.D. Christine Lieberknecht, der niederländische Theologe Prof. Herman J. Selderhuis, Leiter des Netzwerks Refo500, Boris Lochthofen, Direktor des MDR Landesfunkhauses in Thüringen und Dr. Thomas A. Seidel, Vorstandsvorsitzender der Internationalen Martin Luther Stiftung. Nach Key Notes von Ralf Meister, Iris Wolff und Uwe Kolbe entspann sich ein tiefgründiges Tischgespräch.

Eröffnungsimpuls von Gastgeber Landesbischof Ralf Meister
Tischrede von Uwe Kolbe


31. Oktober 2021 | Stadtschloss, Eisenach
Mächtige Worte – Lesung der SchriftstellerInnen

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltungen zum Themenjahr „Welt übersetzen“ haben die drei SchriftstellerInnen aus ihren aktuellen Veröffentlichungen gelesen und erste Einblicke in das Wartburg Experiment gegeben.

Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.
Bericht MDR THÜRINGEN JOURNAL (Di 02.11. | 19:00Uhr (02:35 Min))


02. November 2021 | Luthersaal im Augustinerkloster, Erfurt
Rundgespräch zum selten gelesenen Weltbestseller

„Sie werden lachen: die Bibel!“ – so beantwortete Bertolt Brecht die Frage nach dem für ihn wichtigsten Buch der Weltliteratur. Die Bibel ist in unserer Gesellschaft vielfach gegenwärtig, ohne dass dies immer unmittelbar wahrgenommen wird. Sie hat die deutsche Sprache, Kunst und Literatur, die Gesetzgebung und das Gesellschaftsverständnis geprägt. Und viele Menschen sind auch heute noch von ihren Inhalten bewegt. In dem Rundgespräch unter Beteiligung von Ministerpräsident Bodo Ramelow und den Autoren des Wartburg-Experiments Iris Wolff, Uwe Kolbe und Senthuran Varatharajah wurde die Relevanz der Bibel in Verknüpfung mit biographischen Bezügen thematisiert.

Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.


14. November 2021 | Wartburg, Eisenach
Literaturgottesdienst im Palas der Wartburg

Im Rahmen der Gottesdienstreihe „LebeWorte – Prominente und ihre Bibelverse“ gestalteten die SchriftstellerInnen gemeinsam mit dem Kulturbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland Johann Hinrich Claussen, dem Superintendenten des Kirchenkreises Ralf Peter Fuchs und der Kantorin Anna Fuchs-Mertens einen literarischen Gottesdienst unter dem Titel „Mit Menschen- und Engelszungen“.

Der Gottesdienst wurde als Livestream im Internet übertragen. Er kann auch nachträglich hier angesehen werden:
www.evangelisch.de/literaturgottesdienst

Bilder und weitere Eindrücke von der Veranstaltung finden Sie hier:
Literaturgottesdienst auf der Wartburg

Das Wartburg-Experiment 2021

Wir stellen Ihnen die drei SchriftstellerInnen Iris Wolff, Uwe Kolbe und Senthuran Varatharajah vor und zeigen ihre Eindrücke aus ihrer Zeit auf der Wartburg.

Das Wartburg-Experiment 2022

500 Jahre Bibelübersetzung: Das ist ein großer Anlass, dem sich auch das Wartburg-Experiment widmet. Der Wettbewerb "Bibel reloaded", das Schreib-Labor und die Podiumsdebatte lassen Luthers Bibelübersetzung ins Hier und Jetzt treten.


Das Wartburg-Experiment wird realisiert von der Internationalen Martin Luther Stiftung und der Deutschen Bibelgesellschaft in Medienpartnerschaft mit dem Gemeinschaftswerk Evangelische Publizistik. Das Wartburg-Experiment wird gefördert durch Mittel des Landes Thüringen.