Sprach-Labor

„Unerkanntes in meine Sprache übersetzen“
Ein Sprach-Labor für junge Autorinnen und Autoren in Eisenach

Am 10. und 11. Juni 2022 kamen im Haus Hainstein mit Blick auf die Wartburg bei Eisenach junge Autorinnen und Autoren zusammen, um an eigenen Texten zu arbeiten. Angeleitet wurden sie dabei von renommierten Schriftsteller:innen. Ruth Johanna Benrath, Paul-Henri Campbell und Anja Kampmann begleiteten sie beim Schreibprozess in mehreren Workshop-Einheiten.

Wie kommt etwas ins Wort, zur Sprache? Wie übersetze ich Fernes, Fremdes, Unbekanntes, Ungeahntes in meine Sprache? Das sind die Leitfragen des Sprach-Labors, das sich im Rahmen des Jubiläums „Welt übersetzen“ – 500 Jahre Martin Luthers Bibelübersetzung – an junge Literaturschaffende wendete. Unter dem Motto „Unerkanntes in meine Sprache übersetzen“ waren sie aufgerufen, eigene Texte einzureichen, die gemeinsam mit den Workshop-Leitenden weiter bearbeitet wurden.

Essays, Erzählungen, Gedichte
Die Bandbreite der literarischen Formen war dabei groß. Von Erzählungen über lyrische Texte bis hin zu essayistischen Reflexionen schöpften die jungen Autor:innen aus dem Vollen sprachlicher und ästhetischer Möglichkeiten. Zum Abschluss der gemeinsamen Tage auf der Wartburg trugen die vierzehn Teilnehmenden ihre Texte im Rokokosaal des Eisenacher Stadtschlosses vor.

Sprach-Labor und Wartburg-Experiment
Das Sprach-Labor nimmt einen Faden auf, den das Wartburg-Experiment vom September bis November 2021 gelegt hat: Uwe Kolbe, Senthuran Varatharajah und Iris Wolff waren jeweils für vier Wochen zum Schreiben an dem Ort, an dem vor 500 Jahren Martin Luther das Neue Testament übersetzt hat.

Lesung zum Auftakt
Zum Beginn des Sprach-Labors am Freitag, dem 10. Juni, stellten Iris Wolff und Uwe Kolbe erstmals Texte vor, die im Zuge ihres Aufenthalts auf der Wartburg entstanden waren. Den Auftakt machte Uwe Kolbe mit lyrischen Texten aus seinem Wartburg-Tagebuch unter dem Titel „Wartburg-Konglomerat“. Insgesamt 28 Texte hat Uwe Kolbe in seinem Tagebuch festgehalten, an jedem Tag seines Aufenthalts auf der Wartburg einen.

Ihm folgte Iris Wolff, die aus ihren Prosa-Texten las. Unter dem Titel „Fische fangen“ beschäftigt sie sich darin mit der Übersetzung innerer Prozesse in Sprache. Abgeschlossen wurde die Lesung von Texten von Paul-Henri Campbell, der für den verhinderten Senthuran Varatharajah einsprang. Sein neuer Lyrikband „innere organe“ ist vor wenigen Wochen erschienen.

Im Palas der Wartburg begrüßte Ministerpräsidentin a.D. Christine Lieberknecht die rund 60 Besucherinnen und Besucher, darunter auch die Oberbürgermeisterin Katja Wolf. Landrat Reinhard Krebs wies auf die Förderung des Sprach-Labors durch die Wartburg-Sparkasse hin und formulierte die Idee eines Literaturstipendiums des Wartburgkreises. Durch die Veranstaltung führte Dr. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).


Das Sprach-Labor am Samstag und Sonntag
Am Samstagvormittag besuchten die Teilnehmenden am Sprach-Labor die Sonderausstellung „Die Macht der Worte“ auf der Wartburg, um sich auch mit der Prägkraft der Übersetzungsarbeit Luthers auf eine einheitliche deutsche Sprache zu befassen. Es folgten weitere Workshop-Einheiten und schließlich die Lesung der eigenen Texte im Eisenacher Stadtschloss, bei der Bürgermeister Ihling die Teilnehmenden herzlich begrüßte und das Anliegen des Sprach-Labors in das Thüringer Themenjahr „Welt übersetzen“ einordnete. Die Textlesungen der 14 Teilnehmenden wurden abgeschlossen mit Lesungen der beiden Schriftstellerinnen Ruth Johanna Benrath und Anja Kampmann. Am Sonntag fanden eine abschließende Workshop-Runde und eine Auswertung in den Gruppen statt, bevor die jungen Teilnehmenden die Heimreise antraten.

Das Sprach-Labor wurde veranstaltet von der Internationalen Martin Luther Stiftung, der Deutschen Bibelgesellschaft und dem Kulturbüro der EKD in Medienpartnerschaft mit dem Gemeinschaftswerk Evangelische Publizistik sowie mit Unterstützung der Stadt Eisenach und der Wartburg-Stiftung.
Das Sprach-Labor wurde ermöglicht durch Förderungen des Landes Thüringen, der Wartburg-Sparkasse und dem Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen.

Das Buch mit den Wartburg-Texten von Iris Wolff, Uwe Kolbe und Senthuran Varatharajah erscheint im September unter dem Titel Der Augenblick nennt seinen Namen nicht.

Das Wartburg-Experiment 2021

Wir stellen Ihnen die drei SchriftstellerInnen Iris Wolff, Uwe Kolbe und Senthuran Varatharajah vor und zeigen ihre Eindrücke aus ihrer Zeit auf der Wartburg.

Das Wartburg-Experiment 2022

500 Jahre Bibelübersetzung: Das ist ein großer Anlass, dem sich auch das Wartburg-Experiment widmet. Der Wettbewerb "Bibel reloaded", das Schreib-Labor und die Podiumsdebatte lassen Luthers Bibelübersetzung ins Hier und Jetzt treten.


Das Wartburg-Experiment wird realisiert von der Internationalen Martin Luther Stiftung und der Deutschen Bibelgesellschaft in Medienpartnerschaft mit dem Gemeinschaftswerk Evangelische Publizistik. Das Wartburg-Experiment wird gefördert durch Mittel des Landes Thüringen.